Neuausrichtung Frauenkulturförderung

Exposée zur Dokumentation:

 
Das Team:

Unter der Federführung des Referats Kultur für Frauen in der Kulturabteilung des Kulturministeriums erhielt das Frauenkulturbüro NRW e.V. den Auftrag, im Rahmen eines Projekts die Neuausrichtung der Frauenkulturförderung zu konzeptionieren. Begleitet und dokumentiert wurde das Projekt vom Institut für Gestaltungspraxis und Kunstwissenschaft, Leibniz Universität Hannover und von der Organisationsberatung Ehring & Kühn GbR.


Der Beginn:

2009 startete der Prozess zur Neuausrichtung der Frauenkulturförderung.

Ziel war es, die spartenübergreifenden Rahmenbedingungen in den Kulturförderverfahren als auch die Erwartungen seitens der Künstlerinnen und der institutionellen Vertreterinnen aus allen Sparten zu benennen, zu dokumentieren und schlussendlich daraus Verfahrensweisen als auch Handlungsempfehlungen abzuleiten, die eine geschlechtergerechte Förderung von Künstlerinnen in den öffentlichen Kulturinstitutionen und in der freien Szene gewährleisten. 
Die methodische Klammer für den gesamten Prozess bildete das Gender-Mainstreaming, das die Voraussetzung für die Schaffung von geschlechtergerechten Förderstrukturen ist.


Interne Bestandsaufnahme:

Das Vorhaben startete im Sommer 2009 mit einer Bestandsaufnahme der damaligen Kulturförderung in den Fachreferaten der Staatskanzlei.

Das Frauenkulturbüro führte zu diesem Zweck Interviews mit den Spartenreferaten Theater, Musik, Bildende Kunst, Film, Literatur, Regionale Kulturförderung, Kulturelle Bildung und Spartenspezifische Kulturarbeit. Die Fragen zielten auf die Fördermaßnahmen der Referate und deren Umsetzung.

Dabei wurde deutlich, dass insbesondere bei den Verfahrensformen der allgemeinen Projektförderung keine Regelung existiert, die das Ungleichverhältnis von Männern und Frauen in der Förderung berücksichtigt hätte. Auch der in den letzten Jahren veröffentlichte Kulturförderbericht differenziert nicht nach Geschlechtern. Es wurde ersichtlich, dass es auf Landesebene sowohl keine gegenderte Förderstruktur als auch kein aktuelles Zahlenmaterial über die Präsenz von Frauen im Kulturbetrieb gibt.

 
Externe Bestandsaufnahme:

Es stellte sich die Frage, welche Rahmenbedingungen und Verfahrensweisen seitens der frauenfördernden Institutionen als auch der Kunstschaffenden zukünftig gebraucht werden, welche Gültigkeiten bestätigt und welche neu formuliert werden müssen. Unsere Idee war, die dafür kompetenten Frauen in Workshops direkt selbst zu Wort kommen zu lassen. Also lud das Frauenkulturbüro Vertreterinnen aus den frauenfördernden Institutionen aller Sparten zur Bestandsaufnahme ein.

Im ersten Workshop, am 12.09.2009, wurde konkret nach den Besonderheiten und Bedarfen der einzelnen Sparten, nach Strukturdefiziten, Missverhältnissen, Unterrepräsentanzen sowie spezifischen Notwendigkeiten gefragt. Es galt das Antrags- und Bewerbungswesen für öffentliche Mittel auf seine Geschlechterdifferenziertheit hin zu überprüfen, das Ausbildungs- system an den Hochschulen zu durchleuchten, zu Qualität und dem Einsatz von Quoten Stellung zu beziehen sowie über die Nachwuchsförderung und die Kulturwirtschaft zu diskutieren

Die Aussagen wurden sowohl thematisch strukturiert dokumentiert als auch auf Entwicklungsbedarfe hin untersucht, um daraus Handlungsempfehlungen zugunsten eines besseren Frauenanteils in der Kulturförderung ableiten zu können.

 
Die thematisch strukturierten Aussagen bildeten die Arbeitsgrundlage für den zweiten Workshop am 12.11.2009. Sie wurden nachgeordneten Kultur(förder)einrichtungen auf Landesebene zur Diskussion vorstellt, auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft und um weitere Entwicklungsbedarfe ergänzt.

Für den dritten Workshop am 10.02.2010 war die Frage, wie der Fokus der Kunstschaffenden auf das bisher erarbeitete Themenfeld Kulturförderung – Kulturwirtschaft sowie wissenschaft- liche Ausbildung – Professionalisierung, ausfällt.

Die Künstlerinnen wurden durch einen Newsletter des Frauenkulturbüros über den Stand der Dinge informiert und konnten sich für die Teilnahme am dritten Workshop bewerben. Die Bewerbungen wurden im Kulturbüro gesichtet und zwanzig Künstlerinnen aus den unterschiedlichen Kultursparten und –genres der Bildenden und Darstellenden Kunst, Musik, Film, Literatur, Journalismus sowie Hochschule wurden nach Krefeld in die Fabrik Heeder eingeladen.

Hier wurden aufgrund der Themenfülle nun zwei Arbeitsgruppen mit den Schwerpunkten:

- Erfahrungen der Künstlerinnen mit Bewerbungen auf Preise, Stipendien, Auslandsaufenthalte und Projektförderungen Positivbeispiele gelingender Förderungen standen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

- Verhältnis zwischen Kulturförderung und Kulturwirtschaft. Hier lag der Fokus auf den Faktoren und Rahmenbedingungen für den gelingenden Start in die Freiberuflichkeit/ Unternehmens- gründung und deren hemmende Faktoren.

Bei beiden Schwerpunkten wurde zudem abgefragt, welche Rahmenbedingungen das Land Nordrhein-Westfalen aus der Sicht der Künstlerinnen bieten muss, um sie in ihrem beruflichen Werdegang zu unterstützen.
 
Interne Rückkopplung:

Die Zwischenergebnisse aus den drei Workshops sowie die Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Interviews mit den Spartenreferaten wurden dann am 14.04.2010 in einem internen Gespräch den zuständigen Fachreferatsleitenden der Staatskanzlei vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Ein Folgegespräch findet im März 2011 im Kulturministerium statt.
 
Öffentliche Präsentation:

Kulturförderung neu diskutiert -  Genderaspekte im Kulturbetrieb
im NRW Forum Düsseldorf, 18. Mai 2010

Das Land initiiert erstmalig einen  Professionalisierungsprozess des Frauenkulturförderfeldes mit der dezidierten Zielsetzung, dass die zukünftige Landesförderung im Kulturbereich geschlechtergerechte Verfahrensformen einhält.
Einladungsflyer

Nach der wissenschaftlichen Einführung „Kunstförderung durch eine künstlerisch-wissen- schaftliche Vorgehensweise? Kunstförderung - aber wie? durch Prof. Dr. Eva Koethen, Institut für Gestaltungspraxis und Kunstwissenschaft, Leibniz Universität Hannover, stellten Ursula Theißen und Sophia Boettcher-Willig vom Frauenkulturbüro NRW e.V. die erarbeiten Ergeb- nisse und Handlungsempfehlungen vor.

Karin Hofmann, Referentin des Künstlerinnenprogramms der Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten aus Berlin setzte den Impuls durch ihr Best Practise Beispiel „Vom Frauenförderprogramm zu Gender Mainstreaming und Gender Budgeting - 20 Jahre  Künst- lerinnenförderung und Gleichstellungspolitik in der Berliner Kulturverwaltung“.

Abschließend folgte ein von Randi Crott moderiertes Podiumsgespräch mit Beiträgen von Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtags Nordrhein-Westfalen sowie Kultur- und Medienpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag NRW; Dr. Nina Mika-Helfmeier, Kulturbeauftragte der StädteRegion Aachen – Create.NRW – ‚art meets economic’; Julia Malcherek, Leiterin des Projekts ‚Mentorinnen für Künstlerinnen’ im Kulturbüro Rheinland-Pfalz; Bettina Pelz, Hoch- schule für Künste Bremen mit dem Lehrgebiet Professionelle Praxis in Kunst und Design und Ursula Theißen, Leiterin des Frauenkulturbüros NRW e.V.

 
Dokumentation:

Um den größtmöglichen Fokus sicher zu fassen, erfolgten nach Abschluss der Workshops ergänzende Telefoninterviews mit den zwanzig zum dritten Workshop geladenen Künstlerinnen.

Darüber hinaus wurden Expertinnen aus den Kunstsparten Bildende Kunst, Musik, Literatur, Theater, Tanz und Film um Texte gebeten, die den Schwerpunkt auf die Situation der Künstlerinnen in den einzelnen Sparten untersuchen. Die Anthologie soll demnächst herausgegeben werden.

Die wissenschaftliche Dokumentation, erstellt über das Institut für Gestaltungspraxis und Kunstwissenschaft der Leibniz Universität Hannover, ist derzeit in Arbeit und erscheint in Kürze hier.

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