Landesmusikrat
Seit 1998 führt der Landesmusikrat Frauenförderprojekte i.A.
der Kulturabteilung der Staatskanzlei (Referat Kunst und Kultur von
Frauen) durch. Ausgangspunkt war ein Hearing in der Hochschule für
Musik Köln, bei dem die Situation von Dirigentinnen,
Komponistinnen und Instrumentalistinnen näher beleuchtet wurde.
Frauen sind im deutschen Musikleben noch immer deutlich
unterrepräsentiert: Der Frauenanteil in den Bereichen Komposition
und Dirigieren liegt bei etwa 4 %, im Solobereich Instrumentalspiel bei
17 % und im Orchesterbereich bei 24 %. Erfreulich ist zwar, daß
die Zahl der Orchestermusikerinnen in den letzten Jahrzehnten deutlich
zugenommen hat, kaum eine Veränderung gibt es aber bei der Zahl von
Orchesterdirigentinnen und Komponistinnen. Darüber hinaus ist
bedenklich, daß es an den Musikhochschulen kaum deutsche
Studentinnen in diesen Fächern gibt.
Aktuelles unter: lmr-nrw.de
Konzertförderung 2009 für Komponistinnen aus NRW
Auch in diesem Herbst förderte der Landesmusikrat NRW aus
Landesmitteln Konzerte, bei denen Werke von Komponistinnen aus NRW
aufgeführt werden. Zwar ist die Komponistin heute nicht mehr die
Exotin, die sie noch vor zwanzig Jahren war, doch sind Frauen in
diesem Kulturbereich immer noch stark unterrepräsentiert. In den
Konzerten sind Kompositionen vertreten wie Carola Bauckholt, Heike
Beckmann, Dorothee Eberhardt, Christina Fuchs, Viola Kramer, Anja
Kreysing, Christina C. Messner, Oxana Omeltschuk, Ulla Oster, Rebecca
Saunders, Katrin Scherer, Shoko Shida, Joanna Stepalska-Spix, Yasuko
Yamaguchi und Khadia Zeynalova. Auch Kompositionsaufträge wurden
gefördert. Zum Download der
Konzertübersicht:
www.lmr-nrw.de/servicedownloads/frau-und-musik/
Freispiel. Workshop Improvisierte Musik für junge
Frauen
Am 9. Dezember 2007 stellten die Teilnehmerinnen des
Improvisations-Workshops "Freispiel" ihre Ergebnisse in einem Konzert
des Bunkers Ulmenwall Bielefeld vor. Angelika Niescier und Julia
Hülsmann hatten den jungen Musikerinnen zwei Wochenenden lang die
Grundsätze der Improvisation näher gebracht. Der Workshop
richtete sich an junge Musikerinnen, die an Improvisation ein
grundsätzliches Interesse haben, allerdings eine Schwelle vor dem
selbstständigen Agieren empfinden.
Über diese Schwelle halfen Angelika Niescier und Julia Hülsmann im Auftrag des Landesmusikrats und des Bunkers Ulmenwall sowie mit Unterstützung des Ministerpräsidenten des Landes NRW mit Rat und Kritik hinüber. Die Organisationsarbeit lag bei Kerstin Belz, die die Musikerinnen fürsorglich umsorgte. Die Dozentinnen erarbeiteten mit den Musikerinnen einerseits die Freiräume in Jazz-Arrangements, so etwa Steve Kuhns "Saga Of Harrison Crabfeathers", und entwickelten andererseits freie Improvisationen, die von literarischen Werken, von Bildern oder schlicht von Begriffen ausgingen.
So formten die Musikerinnen während der beiden Wochenenden Konzeptkompositionen, die im Abschlusskonzert noch einmal improvisierend ausgefüllt wurden. Miriam Schröer (Klavier) etwa setzte sich mit Goethes "Leiden des jungen Werther" auseinander, konzipiert für Piano, Sopransaxophon und zwei Sprecherinnen. Mira Köhn, Friederike Schmetzer und Dora Osterloh füllten mit ihr die Freiräume aus. Jule Balandat formte ihrerseits eine "Kapriole über den Zauberer von Oz" für Quartett.
Festival und Symposium Frau Musica (nova)
Im Oktober 1998 wurde das Frauenmusikfestival „Frau Musica
(nova)“ vom gleichnamigen Verein in Köln veranstaltet, das einen
Überblick über das aktuelle Schaffen von Komponistinnen
im internationalen Kontext ermöglichte. Im Vorfeld fand ein
hochrangig besetztes internationales musikwissenschaftliches Symposium
zu dem Thema statt. Die internationale Konferenz Frau musica
(nova) - komponieren heute - composing, wurde 1998 durch das
Frauenkulturbüro NRW e.V. an der Musikhochschule in Köln
organisiert. Das Programm ist hier abrufbar.
Folgende Themenbereiche wurden angesprochen: Grundsatzfragen,
nationale Kulturen und
Traditionen, individuelle Biographien sowie die Analyse herausragender
Einzelwerke. Der Symposiumsbericht ist mit Unterstützung
des Landesmusikrates im studio Verlag erschienen.
CD-Reihe „MuSIEca – Junge Solistinnen in NRW“
zur Förderung von jungen Instrumentalistinnen aus NRW wurde 1998
die CD-Reihe „Mu-SIEca – Junge Solistinnen in NRW“ (vgl. Liste der
Tonträger) ins Leben gerufen. Als Partner konnte die BMG-Tochter
Arte nova (classics) gewonnen werden, die ihre CDs weltweit vertreibt.
Die CD-Reihe soll den Bekanntheitsgrad der
Nachwuchskünstlerinnen aus NRW erhöhen und somit eine
Voraussetzung für weitere Konzertauftritte im In- und Ausland
schaffen.
Bisher sind folgende CDs erschienen:
Mirijam Contzen, Violine (1998), Susanne Kessel, Klavier (2000), Judith
Müller, Flöte (2002).
Die Ausschreibung erfolgt nicht öffentlich. Geeignete
Bewerberinnen werden durch einen Personenkreis von ausgewählten
Fachleuten nominiert. Teilnahmeberechtigt sind Instrumentalistinnen bis
zum Alter von 28 Jahren, die in Nordrhein-Westfalen geboren sind oder an
einer Musikhochschule des Landes ausgebildet wurden und in NRW leben und
arbeiten. Die Bewerberinnen sollten ihr Debut bereits hinter sich
haben und in Deutschland aufgewachsen sein. Eine Fachjury trifft
aufgrund eingesandter Tonaufnahmen eine Auswahl.
Kompositionsworkshops für Mädchen
Mädchen und junge Frauen kommen – auch wenn sie
musikalisch sehr begabt sind – häufig gar nicht auf den Gedanken,
selbst zu komponieren oder gar Komponistin werden zu wollen. Dies liegt
weniger an fehlendem kreativen Potential als vielmehr an dem Bild des
Komponisten in der abendländischen Musikgeschichte. In
Südkorea z.B. komponieren traditionell mehr Frauen als
Männer. Allerdings genießt der Musikerberuf dort nicht den
hohen Sozialstatus wie bei uns.
Die landesweit ausgeschriebenen Kompositionsworkshops sollen
Mädchen für das Komponieren interessieren und interessierte
Mädchen weiter fördern und motivieren. Durch den Austausch
und den Kontakt mit den Dozentinnen und Teilnehmerinnen werden nebenbei
wichtige Netzwerke geknüpft. Möglicherweise kann dies dazu
beitragen, daß es künftig einige
Kompositionsstudentinnnen mehr an deutschen Hochschulen gibt als
heute.
International
Alliance for Women in Music (IAWM)
Aus dem umfangreichen Informationsangebot hier einige der Highlights:
Kommentierte Links zu Audio-Files; themenbezogene Linksammlungen z.B.
"Early Women Composers"; Index des IAWM-Journals von 1991-97, Artikel
nach Rubriken und als Volltext abrufbar, Diskographien, Bibliographien.
Außerdem Mailinglisten für Mitglieder (z.Z. rd. 500) zu
verschiedenen Spezialthemen.