Interview mit Maria Wildeis

Projektleiterin Maria Wildeis

Interview mit der Organisatorin des Internationalen Austausches für Bildende Künstlerinnen

picture by Maria Wildeis

Maria Wildeis, picture by Michael Schaab Photography

 

FKB: Hallo Maria, du betreust den Internationalen Austausch Bildender Künstlerinnen zwischen Künstlerinnen aus Georgien und Armenien mit deutschen Künstlerinnen bei uns am Frauenkulturbüro NRW. Was interessiert dich besonders an dieser Aufgabe? 

Maria: Ich interessiere mich sehr für die Entwicklungen der Gegenwartskunst, besonders auch an einer geografischen Schnittstelle wie Georgien und Armenien, wo Asien, Russland und Europa aufeinandertreffen. Die Jahrtausende alte Geschichte der Länder, der Kaukasus und die Mythen und die Prägung durch Sakralbauten und die orthodoxe Kirche – diese Einflüsse konnte ich teilweise auch in der Arbeitsweise der Künstler vor Ort entdecken. Die Idee eines Austauschs für ausschließlich weibliche Künstler in den besagten Ländern bringt eine zusätzliche Auseinandersetzung mit Geschlechtern, Traditionen und Rollen in das Projekt ein, was im Dialog zwischen NRW, Georgien und Armenien unterschiedliche Bilder sichtbar macht. Die Bildung eines Netzwerks zwischen den Projektteilnehmern und die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und künstlerischen Praktiken im internationalen Kontext ist eine besondere Aufgabe, die mich sehr interessiert.

FKB: Du warst im Jahr 2016 selbst in Georgien und Armenien. Was ist das Besondere an dem Austausch zwischen diesen Ländern? Was können wir von deren Kulturen und Künsten lernen?

Maria: Was mir sehr eindrucksvoll gezeigt wurde, ist ein verbindender ideologischer Geist, der Künstler und Kuratoren auf der ganzen Welt eine gemeinsame Sprache sprechen lässt. Gerade über das verbindende Medium der Gegenwartskunst lernte ich beide sehr unterschiedlichen Länder auf sehr persönliche Weise kennen – aufregende Menschen, die für den Gedanken der Kunst Neues erschaffen und sich mit gemeinsamen Aktionen und Ausstellungen über politische und ethnische Differenzen hinwegsetzen. Armenien und Georgien haben mich auf sehr persönliche Weise berührt, das Essen ist hervorragend, die Menschen sehr angenehm und es passiert viel. Sehr zu empfehlen.

FKB: Neben der Mitarbeit am FKB hast noch andere Betätigungsfelder. Wo und wann können wir Veranstaltungen von dir besuchen?

Maria: Ich leite aktuell am Ebertplatz in Köln einen Kunstraum, die Tiefgarage. Es ist eine ortsspezifische Intervention, die eingeladenen Künstler experimentieren hier mit den Bedingungen des Platzes in einem öffentlichen Raum, der für Stadtplaner und Anwohner oft eine Zumutung darstellt. Penner, Betrunkene und eine soziale Unterschicht dominieren das Bild am Platz und bedingen eine mir neue Form des Umgangs mit Öffentlichkeit. www.tiefgarage.org

FKB: Liebe Maria, vielen Dank für das Interview.