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Stipendien „Präsenz vor Ort – Stipendien für Künstlerinnen mit Kindern“

Diese Seite informiert darüber, welche Jurybesetzungen welche Künstlerinnen ausgewählt haben und liefert die Begründungen für die Auswahl der vergangenen Jahre. Die Stipendien werden im 2-Jahres-Rhythmus vergeben. Da die Stipendien seit 2015 ganzjährig laufen, wählte die Jury bereits im Vorjahr aus. Drei Bildende Künstlerinnen erhalten eine monatliche Förderung in Höhe von 700 €. 
2015 wendet sich die Ausschreibung der Stipendien erstmalig an Musikerinnen mit Kindern.


Jury 2017
Dietmar Bonnen, Pianist und Komponist 
Norbert Trawöger, Flötist, Musikdramaturg, Intendant
Susanne Blumenthal, Dirigentin, Pianistin
Robert von Zahn, Generalsekretär des Landesmusikrat NRW
Dr. Ruth Seidl, Vorsitzende des Frauenkulturbüros NRW e.V


Stipendiatinnen 2016
Elisabeth Coudoux
Catherine Klipfel
Daniela Petry

Jury 2015
Anette Reisinger, Violinistin Minguet Quartett
Dr. Wolfgang Fink, ehem. Intendant der Bamberger Symphoniker
Susanne Blumenthal, Dirigentin, Pianistin
Dr. Robert von Zahn, Generalsekretär Landesmusikrat NRW
Dr. Ruth Seidl, MdL, Vorsitzende Frauenkulturbüro NRW e.V.
Hedwig Otten, LVdM NRW
Dietmar Bonnen, Pianist und Komponist

Jurybegründungen:

Elisabeth Coudoux
Die Cellistin Elisabeth Coudoux (Köln) überzeugte mit ihrem technischen und interpretatorischen Können. Doch auch die Bereitschaft nach neuen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen und die tradierten klassischen Wege zu hinterfragen, beeindruckte die Jury. Elisabeth Coudoux bewegt sich sicher in den verschiedensten musikalischen Genres von Jazz über Improvisation, hin zu experimenteller Neuer Musik mit interdisziplinären Ansätzen im performativen Bereich.
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Catherine Klipfel
Ihr künstlerisch herausragendes Können hat die Pianistin Catherine Klipfel (Düsseldorf) zu einer gefragten Solistin und Kammermusikpartne-rin gemacht. Seit 2005 ist sie Mitglied im international renommierten Morgenstern Trio, mit dem sie im Jahr 2015 den Förderpreis für „Junge Künstlerinnen und Künstler“ des Landes NRW erhalten hat. Hier verpflichtet Catherine Klipfel ihre solistischen Fähigkeiten bedingungslos der Interpretation im Ensemble. Ihre gereiften Interpretationen faszinieren in der Ausarbeitung feinster Nuancen, sind aber dennoch erfüllt von einer unbändigen Neugier und Unmittelbarkeit des musikalischen Ausdrucks.
Homepage Triorot, Homepage Morgenstern Trio

Daniela Petry
Die Kontrabassistin Daniela Petry (Essen) überzeugte die Jury mit ihrer spielerischen Präsenz und Vielseitigkeit. Mit ihren mutigen Interpretationen ist sie immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und treibt sich mit ihrem Instrument an den Rand des technisch Machbaren. Durch ihre Neugier bewegt sie sich vorurteilsfrei in der Neuen Musik, im Free Jazz, der Weltmusik, dem Performancebereich, aber auch der klassischen Konzertliteratur.
Homepage Daniela Petry und Gruppe Moment!


Stipendiatinnen 2015
Vera Lossau
Anja Ciupka
Petra Warrass

Jury 2014
Katharina Mayer, bildende Künstlerin, Prof. Hochschule für Gestaltung Iserlohn
Julia Voss, Journalistin,Wissenschaftlerin, FAZ-Redakteurin
Roland Nachtigäller, künstlerische Direktor MARTA Herford
Gereon Krebber, Künstler, Professur Bildhauerei/Orientierungsbereich Kunstakademie Düsseldorf
Dr. Ruth Seidl, MdL, Vorsitzende Frauenkulturbüro NRW e.V
Nicola Schudy, bildende Künstlerin, ehemalige Stipendiatin

Jurybegründungen:

Anja Ciupka – Schwerpunkt Rauminstallation
Für die 1975 in Zwickau geborene, inzwischen in Düsseldorf lebende Künstlerin Anja Ciupka liegt der Fokus auf dem Aktionsradius des Raumes. Mittels minimaler Setzungen im Raum, formuliert sie Fragen des persönlichen Erlebens und spiegelt so gesellschaftliche Prozesse. So werden z.B. Gedanken zu Familie und Kindern, aber auch zu Lebensraum und idealer Wohnform als sinnliches und gedankliches Spiel in Form von Textfrag-menten und Objekten untersucht. Anja Ciupka überzeugte die Jury durch ihre konsequente Material- und Bildsprache und den forschenden Ansatz in ihrer Arbeit.
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Vera Lossau – Schwerpunkt skulpturale Installation
1976 in Haan geboren, wohnhaft in Düsseldorf ist Vera Lossau eine Künstlerin, die durch ihre vielschichtige und komplexe Arbeit auffällt. Wesentliches Merkmal all ihrer Werke ist der Karneval der Materialien. Bei aller Materialvielfalt ist jede Arbeit im Zusammenspiel von Inhalt, Material und Form präzise auf den Punkt gebracht. Das Prinzip der Kontextverschiebung ihrer Objektwelten macht Vera Lossau zum Leitgedanken ihres künstlerischen Werkes.Die immer neuen Bezüge auch zu historischen und kunsthistorischen Werken, die sie aufgreift, neu definiert und gestaltet, machen ihre Arbeiten spannend und lassen den Betrachter nachdenken über Momente des Erinnerns und Wiedererkennens.
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Petra Warrass – Schwerpunkt Fotografie
Die 1970 in Birkenfeld, Rheinland-Pfalz geborene Künstlerin Petra Warrass hat ebenfalls inzwischen ihren Lebensmittelpunkt in Düsseldorf gefunden. Sie überzeugte die Jury durch ihre konsequente Vorgehensweise in ihrem fotografischen Werk. Sie entwickelt in ihrer minimalistischen Sichtweise eine Magie der Objekte.In einem reduziert angelegten inszenatorischen Raum geht es ihr um existenzielle Themen wie Behausung, Heimat und Identität.
Durch kleinste Irritationen stellt sie die Sicherheit der Objektumgebung in Frage. Dadurch entstehen Momente des Unheimlichen, die durch die S/W Fotografie unterstrichen werden. In besonderer Weise stellen ihre Fotografien Fragen, ohne sie interpretieren zu wollen.
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Bis einschließlich 2012 wurden die Stipendien über 5 Monate an 5 Bildende Künstlerinnen mit je 1.000 € Stipendiengeld pro Monat ausgezahlt.

Stipendiatinnen 2012
Kim Collmer
Tine Bay Lührssen
Johanna Reich
Martina Sauter
Nicola Schudy

Jury Stand 2012
Christina Végh, Leiterin des Bonner Kunstvereins, Vorsitzende der AG Deutscher Kunstvereine
Katia Baudin, Stellvertretende Direktorin Museum Ludwig Köln
Christiane Hoffmans, Redakteurin Welt am Sonntag
Gerit Christiani, Vorsitzende des Frauenkulturbüros NRW e.V.
Daniela Risch, Stipendiatin Präsenz vor Ort 2010

Jurybegründungen:

Kim Collmer
Der souveräne Umgang mit dem animierten Film beeindruckte die Jury. Dabei basieren die Werke Kim Collmers auf dem Zusammenschnitt unterschiedlicher Medien. Sie benutzt die Technik des Animationsfilms, der Installationsfotografie und Aufnahmen aus der Wirklichkeit gleichwertig nebeneinander. Dadurch entstehen Filme und Videos, die kaleidoskopartig unserer medialen Welt einen Spiegel vorhalten.

Tine Bay Lührssen
Tine Bay Lührssen reizt mit ihren Videos und Installationen das Thema der Verknüpfung von filmischer Projektion und realer Raumgestaltung aus. In ihren Videos vollziehen Personen kleine Handlungen – wie etwa eine Jalousie herunterziehen. Diese Videos stellt Lührssen in einen räumlichen Kontext, den die Künstlerin mit skulpturalen oder zeichnerischen Elementen füllt. Die Installationen wirken wie ein surreales Spiel mit der Präsenz einer Person, die abwesend ist.

Johanna Reich
Mit dem Verhältnis zwischen menschlicher Figur und Skulptur beschäftigt sich Johanna Reich. Mit einer erstaunlichen Lässigkeit entwickelt die Künstlerin Szenarien, in denen die menschliche Figur Teil einer skulpturalen Inszenierung wird. So verschmilzt eine schwarze Figur mit einem schwarzen Erdloch. Johanna Reich greift für ihre filmisch festgehaltenen Aktionen auf historische Themen zurück und setzt sie mit einem augenzwinkernden Blick auf kunsthistorische Vorbilder um.

Martina Sauter
Das Verweben, die Montage von Wirklichkeit und Film ist das Thema von Martina Sauter. In ihren filmischen und fotografischen Arbeiten verwendet sie Filmausschnitte oder Raum-ansichten, die sie mit abstrakten Elementen kontrastiert. Daraus entstehen Arbeiten, die den Betrachter neugierig auf eine Geschichte machen, die sich möglicherweise hinter der fotografischen Fassade verbergen könnte. 

Nicola Schudy
Aufgebrochenes Parkett, Tischplatten mit organisch anmutenden Füssen, dachlukenähnliche Öffnungen im Fußboden: Nicola Schudy schafft architektonische Modelle, die in ho-hem Maße irritieren. Dabei lesen sich ihre Raum-Installationen wie ein kritischer Kommentar auf unsere Lebensverhältnisse. Schudy hinterfragt unser Lebens- und Heimatgefühl, das sich nicht zuletzt durch gebaute Räume manifestiert. 


Stipendiatinnen 2010
Christine Erhard
Isabel Hernandez
Ulrike Kessl
Hyun-Gyoung Kim
Daniela Risch

Jury 2010
Frau Dr. Marion Ackermann, Direktorin der Düsseldorfer Museen K20/ K21, Vorsitz
Brigitte Dams, Stipendiatin 2008
Anja Nathan-Dorn, Direktorin des Kölnischen Kunstvereins,
Annette Reker, Kunstwissenschaftlerin, Düsseldorf
Dr. Christiane Vielhaber, Kulturjournalistin aus Köln

Jurybegründungen:

Christine Erhard betritt mit ihren neuen konstruierten Fotografien zunehmend stärker formales Neuland. Dabei fügt sie auf überraschend irritierende Weise Elemente zusammen, die so eigentlich nicht zusammen gehören, die aber einer ästhetisch zwingenden, inneren Bildlogik gehorchen. Dabei argumentiert die Künstlerin sowohl mit malerischen als auch mit architektonisch-räumlichen Effekten, die sich gegenseitig bedingen.

Isabel Hernandez erzählt in ihren Foto- und Videoarbeiten mit einer fesselnden Beiläufigkeit von der Banalität des Alltags. Einige Aufnahmen besitzen dabei eher dokumentarischen Charakter, andere wiederum wirken wie bühnenhafte Inszenierungen in der realen Welt. Mit sicherem Gespür für den richtigen Augenblick erzeugt die Künstlerin Bilder, die aus der Spannung von Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung leben.

Ulrike Kessl ist eine konsequente, immer situationsbezogen arbeitende Raumbesetzerin. Sie schafft mehr oder minder begeh- oder bespielbare Skulpturen, sowohl im öffentlichen Stadtraum als auch in geschlossenen, zum Teil ungewöhnlichen Ausstellungsbereichen. Mit unterschiedlichen Materialien oder auch Objekten arbeitet sie dabei mit oder ganz bewusst auch gegen architektonische Vorgaben. Ihre Zeichnungen verdeutlichen dabei sehr anschaulich den Prozess vom räumlichen Denken in die plastische Tat.

Hyun-Gyoung Kim erweist sich in ihrem zeichnerischen und plastischen Werk als eine humorvolle und fabulierfreudige Künstlerin. Das Vokabular ihrer sehr präzise durchdachten und materialsinnlich ausgeführten Arbeiten wirkt ebenso eigenständig wie auch eigenwillig. Die zum Teil bizarren Geschöpfe und der mit ihnen hintersinnig in Szene gesetzte Bildwitz sprechen für die hohe Einbildungskraft und den lustvollen Gestaltungswillen dieser Künstlerin.

Daniela Risch arbeitet völlig unspektakulär mit den Medien Foto und Film. Ihre Aufnahmen und bewegten Bilder stellen sich auf sehr beeindruckende Weise in die Tradition der klassischen Porträt- und Genre-, bzw. Landschaftsmalerei. So etwa bei der Selbstinszenierung als Mutter der Künstlerin in deren Kleidern und Wohnumfeld oder der bei der ruhigen Kamerafahrt entlang eines schmuddeligen Kanals, bei der selbst eine Kläranlage Bildschönheit erlangt. Was zunächst altmodisch anmutet, erweist sich dann aber schnell als technisch, ästhetisch und auch gesellschaftspolitisch ganz auf der Höhe unserer Gegenwart.


Stipendiatinnen 2008
Rosa Barba
Brigitte Dams
Daniela Georgieva
Christiane Rasch
Silke Schatz

Jury 2008
Dr. Doris Krystof, Kunstwissenschaftlerin K21, Düsseldorf
Lilian Haberer, freie Kunstwissenschaftlerin, Köln
Susanne Eser, Kulturwissenschaftlerin, Hannover 
Alice Musiol, Stipendiatin Präsenz vor Ort 2006

Jurybegründungen

Rosa Barba initiiert mit ihren Arbeiten eine Reflexion über das Medium Film und seine Apparaturen, die sie über ein eigenständiges und vielfältiges mediales Spektrum wie Film, Installation, Sound und Text entstehen lässt. Durch das subtile Aufbrechen der verschiedenen Komponenten des Films, wie Ton, Bild und Narration, werden die Nahtstellen atmosphärischer Erzählung, zeitlicher Abläufe und architektonischer Räume offengelegt.

Brigitte Dams zeichnet sich durch eine konsequente Arbeit mit plastischem Material aus, das im wahrsten Sinne des Wortes aus Schnüren, Gummischläuchen oder Kunststoffröhren besteht. Unter Rückgriff auf unterschiedliche handwerkliche Techniken und Tätigkeiten wie Flechten, Knoten, Spannen, Dehnen kommen skulptural-räumliche und physische Qualitäten zum Vorschein, die eine prägnante Auffassung von Materialität artikulieren. 

Daniela Georgieva entwickelt mit ihren Videoarbeiten, Collagen und Objekten subtile Erzählungen, die als bühnenhafte Rauminstallationen in eine poetische und versponnene Welt entführen. Kaleidoskopartig kreisen die farb- und formstarken Szenarien um Sehnsucht und Begehren und haben doch meist in der Realität der Gegenwart ihren Ausgangspunkt.

Christiane Rasch verfügt über einen komplexen künstlerischen Ansatz, der sich durch die Verwendung unterschiedlichster Materialien und Techniken auszeichnet. Bei aller Zurückhaltung entfalten die minimalistischen Holzobjekte ebenso wie die aus folkloristischen Versatzstücken montierten Fotocollagen oder die transparenten Folienverspannungen eine  starke Präsenz im Raum.

Silke Schatz entfaltet in ihren großformatigen Zeichnungen und Rauminstallationen eine prägnante und eigenständige Bildsprache, die Koordinaten der eigenen, erlebten oder tradierten Geschichte aufnimmt. Das Medium Zeichnung wird ihr zum Mittel und zur Topographie subjektiver wie kollektiver Erzählung; in der räumlichen Isometrie oder in der Konturen offen legenden Freihandzeichnung sucht sie die Auseinandersetzung mit persönlichen und politisch-kollektiven Erinnerungsstrukturen.


Stipendiatinnen 2006
Kati Faber
Uschi Huber
Katharina Jahnke
Alice Musiol
Anke Schreck

Jury 2006
Magdalena Kroener, Kulturjournalistin
Anja Wiese, Künstlerin, Professorin Hochschule Bielefeld
Sonia Knopp, Stipendiatin Präsenz vor Ort 2004
Dr. Rosemarie E. Pahlke, stellvertretende Direktorin Museum am Ostwall, Dortmund
Dr. Beate Ermacora, Direktorin, Museum Alte Post, Mülheim

Jurybegründungen:

Kati Faber
Mit ihren Photographien besetzt Kati Faber eine ganz ungewöhnliche Position im Bereich der aktuellen Photographie. Bild für Bild führt sie Orte vor, die – seltsam entrückt von der Alltagswelt und ihr dennoch ähnlich – beim Betrachter verborgene Sehnsüchte und Erinnerungen wecken. Oft vermischen sich Wünsche und Ängste aus Kindertagen, wird die Erinnerung an das Gefühl des Eigentlich-Fliegen-Könnens spürbar oder schmeckt ein Bild nach Sommerferien. Kati Faber findet Bilder, die Erinnerungen erfinden, die zeigen, dass es oft nur eines anderen Standpunktes bedarf, um eine Aussicht in einen Ort zu verwandeln, den wir assoziativ füllen können und der uns so bereichert. Geschult durch ihren Blick nehmen wir die uns umgebende Welt plötzlich anders wahr.

Uschi Huber
Uschi Huber unterzieht in ihren präzise komponierten Fotografien europäische Autobahnen, internationale Hotelanlagen oder andere anonyme Un- und Nicht-Orte globaler Mobilität akribischer Untersuchungen. Sie hält sie aus einem sachlichen Blickwinkel fest, der uns gleichsam hinter die Kulissen sehen lässt. Mit geschärftem Blick für jene Details, die Gemütlichkeit und exotische Freizeitgefühle suggerieren sollen, unterbreitet sie entlarvende Dokumentationen, die von der organisatorischen Infrastruktur zeitgenössischer Lebenswelten erzählen. Ihr Interesse an urbanen Geflechten und kultureller Identität setzt Huber auch in ihren Videoarbeiten überzeugend um. Dass es der Künstlerin um die Schärfung von Wahrnehmung bezüglich des Alltags und seiner Bildklischees geht, zeigt auch ihr, gemeinsam mit Jörg Paul Janka, seit Jahren herausgegebenes Magazin „Ohio“. Dies ist ein Kunstprojekt, das fotografisches Material aus Archiven, Presse, Werbung oder dem Internet kommentarlos publiziert und die Frage nach dem Gebrauchscharakter von Fotografie stellt.

Katharina Jahnke
Das Phänomen kollektiver Ängste bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt in Katharina Jahnkes Arbeiten, die sie projektbezogen meist in einer Kombination von Zeichnungen, Bannern und skulpturalen Modellen als Rauminstallationen präsentiert. Visuelle oder sprachliche Zitate werden in ein fiktives Szenario überführt. Auf roh gezimmerten Sockeln befinden sich etwa zersplitterte Architekturmodelle, die die festungsähnlichen Häuser von Hollywoodstars konterkarieren und zeigen, wie die Popularität der Bewohner sich in Angstgefühle verwandeln kann. Eine Zeichnungsserie erinnert an Coverbilder von Merian-Heften, die Reisewarnungen bein-halten, in einem Wettbüro liegen lädierte Windhunde auf Wandborden, oder ein besticktes Stoffbanner zählt Phobien auf. Mit spielerischer Leichtigkeit und konzeptueller Stringenz untersucht Katharina Jahnke die gesellschaftlichen Mechanismen von Angst, Manipulation und Wahrnehmung und die daraus folgende Konstruktion von Wirklichkeit. Ihr Umgang mit den Medien Skulptur und Zeichnung zeichnen sie als eine Künstlerin aus, die im zeitgenössischen Kunstdiskurs ihren Platz hervorragend behaupten und ausbauen kann.

Alice Musiol
Neben ihren Tuschzeichnungen und ihren Stoffarbeiten mit Stickereien hat die Jury besonders die Strenge ihrer Raum- und Bodenarbeiten überzeugt, bei denen als verfremdendes Element Knäckebrot, Salzstangen oder Toast Verwendung finden. Das Lebensmittel „Brot“ wird als industrielles Produkt, deren Nährwert in Frage gestellt wird, flächendeckend eingesetzt. Neben grundsätzlichen Überlegungen zu den Mechanismen menschlicher Grundbedürfnisse lässt sich Musiols aktueller Schwerpunkt mit dem Thema „Zwischen Nomadentum und Sesshaftigkeit“ umschreiben. In diesem Kontext hat sie das hoch aktuelle und persönliche erlebte Thema der Migration – ihre Familie wanderte aus Polen ein – bei kanadischen Familien mit dem Namen Musiol erforscht.

Anke Schreck
Anke Schreck greift in ihrer Landschaftsmalerei klassische Topoi wie Bergkulissen auf und verändert die bis dato mit dieser Thematik verbundene schwere Malerei, indem sie nicht Öl auf Leinwand, sondern mit leichtem Strich ihre Panoramen in Öl auf Nessel festhält. Als Vorlage dient häufig das Klischee dieser Landschaft: die Postkarte.Daneben gilt ihre Aufmerksamkeit dem kleinen Format des Aquarells. Hierbei schätzt die Jury besonders die in schneller Manier erstellten Reihen der „Kleinen Damenaquarelle“, in denen Schreck keinesfalls „damenhaft“, sondern frech Menschen und Begebenheiten skizziert.


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